10.02.2017 – Offener Brief des Vorstands von CineGraph Babelsberg

Mit Verspätung ist die 60. Ausgabe des von CineGraph Babelsberg herausgegebenen Filmblatts erschienen, die einen offenen Brief an den Präsidenten des Bundesarchivs Dr. Michael Hollmann enthält. Hierin begrüßt der Vorstand des Vereins (Michael Grisko, Ursula von Keitz, Philipp Stiasny und Fabian Tietke) den Strategiewechsel des Bundesarchivs im Umgang mit Nitrofilmen:

„Diese Nachricht hat uns besonders erfreut, da die Kassationspraxis Ihres Hauses von vielen Mitgliedern unseres Vereins seit Jahren äußerst kritisch gesehen wird und zu schmerzlichen Verlusten geführt hat. Diese Praxis ist uns umso unverständlicher, als die meisten Filmarchive des europäischen Auslandes, zumal die großen Kino-Nationen Frankreich und Großbritannien im Einklang mit den Grundsätzen der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) die dauerhafte bzw. längstmögliche Aufbewahrung ihrer Nitrofilmbestände betreiben. Wir begrüßen es sehr, dass nunmehr auch das Bundesarchiv danach streben wird, Nitrozellulose-Filme dauerhaft aufzubewahren, anstatt sie nach erfolgter Umkopierung zu vernichten. Wir glauben, dass Sie damit einen entscheidenden Richtungswechsel hin zu einer verantwortungsbewussten und zeitgemäßen Archivierungspraxis eingeschlagen haben, und möchten Sie darin bestärken, diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten.“

Gleichzeitig äußert der CineGraph-Vorstand Besorgnis angesichts der Absicht, die Kopieranstalt des Bundesarchivs zu schließen und zukünftig nur noch digitale Sicherungskopien zu speichern. Der Vorstand verweist in diesem Zusammenhang auf die EU-Studie „Digital Agenda For The European Film Heritage“, der zufolge „die Umwandlung ins Digitale eine Gefahr für bestehende Archivsammlungen darstelle“. Der CineGraph-Vorstand würde sich „wünschen, dass das Bundesarchiv … sich, wie in der Frage des Originalerhalts, auch hinsichtlich der konservatorischen Sicherung an den Modellen und Erfahrungen des Auslandes orientiert“.