Forderungen

Seit der Wiedervereinigung ist im Rahmen der copy-and-destroy-Praxis / Kassationspraxis des Bundesarchivs über die Hälfte sämtlicher filmischer Artefakte auf Nitrozellulose vernichtet worden. Sofern nicht im Ausland Parallelüberlieferungen vorliegen, sind die Folgen irreversibel.
Die Schädlichkeit der copy-and-destroy-Praxis ist international vor Jahren erkannt worden: Es darf nicht sein, dass das Bundesarchiv dieser obsoleten Archivpraxis anhängt, bis die historische Substanz unseres Filmerbes vollkommen getilgt ist.

Ich fordere daher

1. ein umgehendes Moratorium der Nitrofilm-Kassation im Bundesarchiv. Nitrofilme dürfen nur noch im Falle fortgeschrittener Zersetzung vernichtet werden.

2. die Außerkraftsetzung der Nutzungsauflagen für das Filmlager Hoppegarten, die vom Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik ausgesprochen wurden und den Abbau der Nitrofilmbestände erzwingen. Hoppegarten würde dadurch in den Stand versetzt, seinem Zweck als Dauerlager der deutschen Nitrofilm-Überlieferung gerecht zu werden.

3. eine gesetzgeberische Initiative zur Reform des Sprengstoffgesetzes. Ausweislich des juristischen Befundes von Winfried Bullinger ist dieser Schritt zwar keine zwingende Voraussetzung für den Stopp der Kassationspraxis, da das Gesetz entgegen anderslautender Behauptungen kein Vernichtungsgebot kennt. In jedem Fall ist aber, um volle rechtliche Klarheit zu erzielen, eine Ergänzung des Gesetzestextes zweckdienlich, nach der historische Film- und Fotomaterialien ausdrücklich vom Sprengstoffgesetz ausgenommen werden.

4. eine allgemeine Ächtung der Vernichtung von Filmdokumenten wenigstens aus der Zeit bis 1945, und zwar unabhängig davon, auf welchem Trägermaterial sie vorliegen. Für diese Filmdokumente sollte der im Bereich der Aktenarchive etablierte Grundsatz angewandt werden, dass zeithistorisch bedeutsame Bestände keiner späteren Bewertungsentscheidung unterworfen werden sollen: sie sind als Überrestquelle schlechthin erhaltenswert.

Auch wenn institutionelle Zwänge und Rücksichtnahmen ein breites Bündnis der Fachöffentlichkeit bislang verhindert haben, weiß ich aus persönlichen Gesprächen, dass nahezu sämtliche Fachkollegen, seien es Historiker oder Filmwissenschaftler, die Kassationspraxis des Bundesarchivs ablehnen. Einigen dieser Kollegen, die mich beraten, mir Material zur Verfügung stellen und mich in anderer Weise unterstützen, bin ich zutiefst dankbar. Weitere Unterstützung, auch kritische Rückmeldungen, und nicht zu vergessen medialer Widerhall sind jedoch dringend erforderlich, damit auch nur eine der oben ausformulierten Forderungen eine Aussicht auf Erfolg hat.
Wenn Sie dazu beitragen wollen, kontaktieren Sie mich unter DirkAlt[at]gmx.de.